weak end
Die Serie weak end, der in Berlin lebenden Malerin Christine Weber, zeigt
auf einer Landstrasse leblos liegende Menschen sowie lebende Opfer, die
hilflos helfen. Sowohl Akteure als auch die Körper wirken deplaziert. Unfall
oder Verbrechen ist hier die erste Frage. Sie bleibt ungeklärt. Die Opfer
werden in einer trivial-schönen, sommerlichen Landschaft sich selbst über-
lassen. Das alptraumhafte Szenario kontrastiert mit der Leichtigkeit, die
die leuchtenden Farben evozieren. An einigen Stellen schlagen die Farb-
flächen ins Gegenstandlose um; so oszillieren Christine Webers gross-
formatigen Gemälde zwischen Figuration und Ornamentik.
Im Gegensatz zu den Bildfolgen von Comics, in denen jedes Bild wie ein
weiteres Puzzleteil im narrativen Gesamtzusammenhang funktioniert, trägt
hier keines der Bilder zum näheren Verständnis des vorherigen bei. Durch die
Wiederholung des Motivs bei verändertem Bildausschnitt gelingt es Christine
Weber, die von den Bildern ausgehende Stille und Unbestimmtheit noch zu
steigern. Details, die einen Hinweis auf Ort oder Zeit geben könnten, werden
vermieden.
Sie bearbeitet digital ihre Bildvorlagen, Fotos und Fim Stills, und überträgt
Bildausschnitte, die wie durch Heranzoomen zustande gekommen scheinen,
auf die Leinwand. Das Prinzip der Differenzierung in der Wiederholung dient
Christine Weber als Mittel zur Reflexion über die Bildproduktion und Bildbe-
trachtung.
Während Andy Warhol für seine Disaster-Serie journalistische Photos realer
Geschehen in seinen Silkscrees umsetzte, wählte Christine Weber in weak
end ausschliesslich fiktionale Szenen als Vorlagen. Sie verwendete Stills aus
Jean-Luc Godards Week End, der nur wenige Jahre nach der Desaster-Serie
entstanden war. An Week End interessiert Christine Weber die Montagetechnik,
mit der Godard seine Kritik an der konsumorientieren Massengesellschaft
formuliert. Unter Ausnutzung einer superflachen Ästhetik und Maltechnik
setzt sie sich mit der medialen Darstellung von Tod und der Konstruktion
von Sexualität auseinander.
 
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